Bau-Turbo und Genehmigungszahlen trotzen der Stimmung im Markt
Am 9. Oktober hat der Bundestag das „Gesetz zur Beschleunigung des Wohnungsbaus und zur Wohnraumsicherung“ – auch „Bau-Turbo“ genannt – beschlossen. „Statt fünf Jahre für ein Bebauungsplanverfahren zu brauchen, kann die Gemeinde dem Bauvorhaben jetzt innerhalb von drei Monaten zustimmen“, erklärt Bundesbauministerin Verena Hubertz die Hauptvorteile des neuen Gesetzes.
Bei Verbänden fand die Verabschiedung des Gesetzes überwiegend Beifall. Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) etwa begrüßt das Gesetz als wichtigen Schritt – weist aber darauf hin, dass es für eine echte Beschleunigung des Wohnungsbaus nicht ausreicht. „Es handelt sich hier nicht um einen „Bau-Turbo“ als solchen, sondern vielmehr um einen „Bauland-Turbo“. In eine ähnliche Richtung geht der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB): „Der Bau-Turbo ist ein wichtiger Schritt, um Planungs- und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen“, erklärt ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa, mahnt aber an: „Bauen ist in Deutschland zu teuer, zu kompliziert und für viele Familien längst unerschwinglich geworden“. Ohne zinsgünstige Darlehen, weniger Bürokratie und eine ernsthafte Entlastung beim Bauen werde der Bau-Turbo nicht zünden.
Was zinsgünstige Darlehen angeht, hat das Bundesbauministerium bereits reagiert und seine Fördermittel für den Wohnungsbau angepasst und aufgestockt – unter anderem mit 1,1 Milliarden Euro für das KfW-Programm „Klimafreundlicher Neubau“ (KFN). Dort sind auch wieder Mittel abrufbar für den Bau von Wohnungen nach EH55-Standard – ein positives Signal für bauwillige Familien.
Die Trendwende scheint langsam auch im Markt anzukommen. So wurden laut aktueller Zahlen des Statistischen Bundesamtes in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres bundesweit 175.600 Wohneinheiten genehmigt – ein Plus von 11,7 Prozent oder 18.400 Wohnungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dabei legten Einfamilienhäuser in den ersten neun Monaten um 17,4 Prozent auf 33.300 zu. Bei den Zweifamilienhäusern sank die Zahl genehmigter Wohnungen hingegen um 2,8 Prozent auf 9.500. Im Bereich der Mehrfamilienhäuser, der zahlenmäßig stärksten Gebäudeart, genehmigten die Behörden 93.100 Neubauwohnungen – ein Anstieg um 13,0 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Nach Jahren rückläufiger Genehmigungszahlen gibt diese Entwicklung berechtigten Anlass zur Hoffnung.
Die aktuelle Stimmung im Markt verbessern die Zahlen jedoch nicht – ganz im Gegenteil. Im Oktober hat sich das Geschäftsklima im deutschen Wohnungsbau jedenfalls erneut eingetrübt. Nach dem starken Anstieg im September sank das Barometer von minus 22,0 auf minus 23,0 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut zu seiner Umfrage mitteilte. „Der Weg aus dem Tal ist noch lang“, erklärt deshalb Ifo-Umfrageleiter Klaus Wohlrabe. „Fehlende Aufträge sind weiterhin ein großes Problem.“ Zumindest berichteten etwas weniger Firmen davon, dass sie zu wenig Aufträge haben. Der Anteil sank von 46,7 auf 44,4 Prozent – das ist der niedrigste Wert seit rund zwei Jahren.
Nähere Informationen zum „Bau-Turbo“ und den aktuellen Genehmigungszahlen finden Sie hier.