Talfahrt bei Baugenehmigungen

Foto: Pixabay

Jahrelang verzeichnete die Baubranche ein stetiges Wachstum. Das erklärte Ziel von 400.000 neuen Wohnungen per anno blieb trotzdem stets unerreicht. Inzwischen schrumpft der Wohnungsbau immer drastischer, wofür die amtierende Bundesregierung viel Kritik einstecken muss. Laut aktueller Erhebungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis, Wiesbaden) sank die Zahl der genehmigten Wohnungen zwischen Januar und November 2023 um 25,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf insgesamt 238.500. In der Rechnung sind sowohl Neu- als auch Bestandsbauten berücksichtigt. Im Neubau wurden 38,6 Prozent weniger Einfamilienhäuser und 49,2 Prozent weniger Zweifamilienhäuser genehmigt. Die Zahl der Mehrfamilienhäuser fiel um 23,8 Prozent niedriger aus.
 
Neben hohen Kosten für Energie und Baumaterialien sowie steigenden Zinsen werden für die gravierenden Rückgänge nicht zuletzt auch politische Fehlentscheidungen verantwortlich gemacht. Unzureichende Förderprogramme, allzu hohe Auflagen und Bürokratie bremsen die Branche aus. Auch der Wohnungsbaugipfel im Kanzleramt habe bisher keine Wende gebracht, klagt etwa Michael Gilka, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen (BVMB, Bonn). Der Bauherren-Schutzbund (BSB, Berlin) spricht gar von einer „bauherrenfeindlichen Politik“.
 
Einig sind sich die Branchenvertreter darin, dass die Gebäudestandards zu ambitioniert seien. Neben der technischen Machbarkeit zähle auch und vor allem die wirtschaftliche Rentabilität. Laut Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie Tim-Oliver Müller fehle es schlichtweg an Investitionsanreizen für mehr bezahlbaren Wohnungsbau. Ein Hoffnungsschimmer liegt in den erwarteten Zinssenkungen ab Sommer 2024, welche die Baufinanzierung begünstigen dürften. Neue Wege wie der digitale Bauantrag sowie serielles, modulares und systemisches Bauen könnten außerdem langfristig zur Kostenreduzierung beitragen.
 
Weitere Informationen zu den aktuellen Genehmigungszahlen finden Sie hier.
 

Zurück