Mauerwerk und Wärmeschutz

Gesetze und Vorschriften zur Energieeinsparung durch wärmdämmenden Mauerwerksbau

Im Juni 2007 wurde die Vornorm DIN 4108-4 „Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden - Teil 4: Wärme- und feuchteschutztechnische Bemessungswerte“ nach mehrjähriger Bearbeitungszeit veröffentlicht. Für Leichtbeton-Produkte sind alle Werte aufgenommen worden, auch die für die Verwendung mit Dünnbettmörtel. Insbesondere wurde darauf geachtet, dass aus Gründen des Besitzstandes alte, bessere Werte nicht weg gefallen sind.

Im Juni 2008 wurde auch die DIN 4108-10 „Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden - Teil 10: Anwendungsbezogene Anforderungen an Wärmedämmstoffe - Werkmäßig hergestellte Wärmedämmstoffe“ publiziert, die nach ebenfalls langer Überarbeitung nunmehr die Rechenwerte aller bekannten Wärmedämmstoffe für die vielfältigen Anwendungen am und im Haus nennt.

Am 27.04.2007 legte die Bundesregierung die Neufassung der Verordnung über energieparenden Wärmeschutz und energiesparende Anlagentechnik bei Gebäuden (EnEV 2007) vor. Sie galt, aufgrund keiner besonderen Verschärfungen, fast unbeachtet vom 01.10.2007 bis 30.09.2009. Sie wurde nach dem ab 01.01.2009 geltenden „Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz 2009 (EnEG) mit Wirkung vom 01.10.2009 durch die Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) abgelöst.

Die EnEV 2009 betrifft:

Im Rahmen der ersten Stufe zur Novellierung der Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) sind folgende Maßnahmen vorgesehen:

  • Neue Wohngebäude und deren Anlagetechnik zum Heizen, Lüften, Kühlen und Warmwasser
  • Neue Nichtwohngebäude und deren Anlagetechnik zum Heizen, Lüften, Kühlen, Beleuchtung und Warmwasser
  • Baubestand bei bestimmten baulichen Änderungen, Sanierungspflichten
  • Große, viel besuchte öffentliche Dienstleistungsgebäude
  • Verschärfung der primärenergetischen Anforderungen (Gesamtenergieeffizienz) um  durchschnittlich 30%,
  • Verschärfung der energetischen Anforderungen an Außenbauteile im Falle wesentlicher Änderungen im Gebäudebestand um ebenfalls durchschnittlich 30%,
  • Ausweitung einzelner Nachrüstungspflichten bei Anlagen und Gebäuden,
  • Regelungen zur stufenweisen Außerbetriebnahme von Nachtstromspeicherheizungen zur Erzeugung von Raumwärme,
  • Stärkung des Vollzugs durch Intensivierung privater Nachweispflichten, eine bundesrechtliche Regelung von Überwachungstätigkeiten der Bezirksschornsteinfegermeister und durch einheitliche Bußgeldvorschriften für Neu- und Altbauanforderungen

Wesentliches Ziel ist es, den Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser im Gebäudebereich mit dieser Novellierung um etwa 30 Prozent zu senken. In einem weiteren Schritt sollen dann ab 2012 die energetischen Anforderungen an Neubauten nochmals um bis zu 30 Prozent senken. Das gilt auch bei der Modernisierung von Altbauten. Dies soll dazu beitragen, die CO2-Emissionen in Deutschland deutlich zu verringern. In absoluten Zahlen könnte dies eine Reduzierung um 260 Millionen Tonnen CO2 gegenüber heutigen Werten bedeuten, da in Gebäuden rund 44 Prozent der gesamten Energie verbraucht werden.

Eine angemessene Anpassungszeit für die Baubeteiligten, zur Vermeidung von Kapazitätsengpässen und zur Umstellung der Softwareprogramme für die Berechnung der Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden ist vorgesehen.
Außerhalb der Energieeinsparverordnung soll der Austausch von elektrischen Speicherheizsystemen im CO2-Gebäudesanierungsprogramm nach Maßgabe der durch den Haushalt zur Verfügung gestellten Mittel gefördert werden.

Die Bilanzierungsmethode der DIN V 18599 soll auch auf Wohngebäude ausgeweitet werden, allerdings in einer vereinfachten Version. Das bisherige vereinfachte Nachweisverfahren soll aufgegeben werden, desgleichen auch die Formulierung von Maximalwerten in Bezug auf das Verhältnis (A/V). Für die Gebäudehülle werden neue Referenzwerte formuliert. Überarbeitet werden auch die Anforderungen der Nachrüstung im Baubestand. Die Praxis der Energieausweise soll nicht geändert werden.

§ 3 zu „Anforderungen an Wohngebäude“

  1. Zu errichtende Wohngebäude sind so auszuführen, dass der Jahres-Primärenergiebedarf für Heizung, Warmwasserbereitung, Lüftung und Kühlung den Wert des Jahres-Primärenergiebedarfs eines Referenzgebäudes gleicher Geometrie, Gebäudenutzfläche und Ausrichtung mit der in Anlage 1 Tabelle 1 angegebenen technischen Referenzausführung nicht überschreitet.
  2. Zu errichtende Wohngebäude sind so auszuführen, dass die Höchstwerte des spezifischen, auf die wärmeübertragende Umfassungsfläche bezogenen Transmissionswärmeverlusts nach Anlage 1 Tabelle 2 nicht überschritten werden.
  3. Für das zu errichtende Wohngebäude und das Referenzgebäude ist der Jahres-Primärenergiebedarf nach einem der in Anlage 1 Nummer 2 genannten Verfahren zu berechnen. Das zu errichtende Wohngebäude und das Referenzgebäude sind mit demselben Verfahren zu berechnen.
  4. Zu errichtende Wohngebäude sind so auszuführen, dass die Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz nach Anlage 1 Nummer 3 eingehalten werden.

Weiter heißt es in Anlage 1:

1.1 Höchstwerte des Jahres-Primärenergiebedarfs:

„Der Höchstwert des Jahres-Primärenergiebedarfs eines zu errichtenden Wohngebäudes ist der auf die Gebäudenutzfläche bezogene, nach einem der in Nr. 2.1 angegebenen Verfahren berechnete Jahres-Primärenergiebedarf eines Referenzgebäudes gleicher Geometrie, Gebäudenutzfläche und Ausrichtung wie das zu errichtende Wohngebäude, das hinsichtlich seiner Ausführung den Vorgaben der Tabelle 1 entspricht.“

Tabelle 1 behandelt die Ausführung des im Text genannten Referenzgebäudes und nennt die Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Werte) verschiedener Bauteile. Für Außenwände und Geschossdecken z. B. einen Wert von 0,28 W/m²K, der gerade noch von einer 30 cm dicken Wand, beidseitig verputzt mit einem Rechenwert der Wärmeleitfähigkeit von 0,09 W/mK oder einer 36,5 cm dicken Wand beidseitig verputzt mit einem Rechenwert der Wärmeleitfähigkeit von 0,11 W/m²K erreicht wird.

1.2 Höchstwerte des spezifischen, auf die wärmeübertragende Umfassungsfläche bezogenen Transmissionswärmeverlusts

„Der spezifische, auf die wärmeübertragende Umfassungsfläche bezogene Transmissionswärmeverlust eines zu errichtenden Wohngebäudes darf die in Tabelle 2 angegebenen Höchstwerte nicht überschreiten.“

Nach Tabelle 2 ist dann für die Außenwand und Geschossdecke gegen Außenluft ein U-Wert von 0,35 W/m²K angegeben.

1.3 Definitionen der Bezugsgrößen

1.3.1 „Die wärmeübertragende Umfassungsfläche A eines Wohngebäudes in m² ist nach Anhang B der DIN EN ISO 13789: 1999-10, Fall „Außenabmessung”, zu ermitteln. Die zu berücksichtigenden Flächen sind die äußere Begrenzung einer abgeschlossenen beheizten Zone. Außerdem ist die wärmeübertragende Umfassungsfläche A so festzulegen, dass ein in DIN V 18599-1: 2007-02 oder in DIN EN 832: 2003-06 beschriebenes Ein-Zonen-Modell entsteht, das mindestens die beheizten Räume einschließt.“

1.3.2 „Das beheizte Gebäudevolumen Ve in m³ ist das Volumen, das von der nach Nr.1.3.1 ermittelten wärmeübertragenden Umfassungsfläche A umschlossen wird.“

1.3.3 „Die Gebäudenutzfläche AN in m2 wird bei Wohngebäuden wie folgt ermittelt:

AN = 0,32 m-1 * Ve

AN - Gebäudenutzfläche in m²
Ve - beheiztes Gebäudevolumen in m³.

Beträgt die durchschnittliche Geschosshöhe hG eines Wohngebäudes, gemessen von der Oberfläche des Fußbodens zur Oberfläche des Fußbodens des darüber liegenden Geschosses, mehr als 3 m oder weniger als 2,5 m, so ist die Gebäudenutzfläche AN abweichend von Satz 1 wie folgt zu ermitteln:

AN = (1/hG – 0,04 m–1) * Ve

AN - Gebäudenutzfläche in m²
hG - Geschossdeckenhöhe in m
Ve - beheiztes Gebäudevolumen in m³.“

Es wird noch eine Zeit dauern bis das neue Berechnungsverfahren verstanden wird und richtig angewendet werden kann, vor allem vor dem Hintergrund der weiteren Verschärfung in 2012. Eine monolithische Bauweise ist dann unter normalen Voraussetzungen und üblichen Wanddicken fast nicht mehr möglich.

Die Industrievertreter und mit dem Bauen betrauten Verbände laufen gegen diese Vorhaben Sturm und versuchen ihr Möglichstes die Überlegungen des Bundes auf ein vertretbares Maß zurückzuschrauben.