Mauerwerk und Tragfähigkeit

Grundlagen und Vorschriften für sichere Bauten

In jedem Bauwerk müssen alle auftretenden Lasten sicher in den Baugrund geleitet werden. Bei gemauerten Gebäuden geschieht das im Allgemeinen über Wände und Deckenscheiben. Allgemeine Grundlagen für die Bemessung von Gebäuden und Gebäudeteilen sind unabhängig vom eingesetzten Material der jeweilig geltenden Landesbauordnungen, den einheitlichen technischen Baubestimmungen und den Zulassungen.

Zentrale Norm zur Bemessung und Ausführung von Mauerwerk ist die DIN 1053-1. Die noch gültige Norm aus dem Jahr 1996 soll auf Beschluss des zuständigen Normenausschusses überarbeitet sowie in Bemessung und Ausführung an das neue Teilsicherheitskonzept angeglichen werden. Mit der DIN 1053-100:2007-09 ist die Berechnung des Mauerwerksbaus in Deutschland auf das semiprobalistische Sicherheitskonzept nach DIN 1055-100 übergegangen. Die Ausführung und Konstruktion bleiben weiterhin nach DIN 1053-1 geregelt. Sie ist daher nach wie vor eine eingeführte Technische Baubestimmung und kann auf der Basis des globalen Sicherheitskonzeptes wie bisher angewendet werden, wenn das gewünscht wird. Zwischen beiden Normen besteht ein striktes Mischungsverbot beim statischen Nachweis.

Dies erforderte eine intensive Beratungstätigkeit in den Unterausschüssen Bemessung und Baustoffe. Wesentliche Weichenstellungen konnten dabei in industrieinternen Arbeitskreissitzungen bei der DGfM vorbereitet werden.

Nach derzeitigem Diskussionsstand sind für unbewehrtes Mauerwerk als Ersatz für DIN 1053-1 und DIN 1053-100 vorgesehen:

  • DIN 1053-11 Vereinfachtes Nachweisverfahren
  • DIN 1053-12 Konstruktion und Ausführung
  • DIN 1053-13 Genaueres Nachweisverfahren
  • DIN 1053-14 Bemessung und Ausführung Natursteinmauerwerk.

DIN 1053-11 geht von Einsteinmauerwerk mit unvermörtelten Stoßfugen und einem Überbindemaß ü/h = 0,4 aus. Im Verband hergestelltes Mauerwerk wird bei der Druckfestigkeit über einen Abminderungsfaktor erfasst. Bei planmäßig von ü/h = 0,4 abweichenden Überbindemaßen ist das genauere Nachweisverfahren anzuwenden. Die Erhöhung insbesondere der Schubtragfähigkeit bei Mauerwerk mit vermörtelten Stoßfugen wird als Sonderfall berücksichtigt.

Grundsätzlich sollen aus der bestehenden Norm alle Hinweise auf eine Modellbildung herausgenommen werden. Es ist beabsichtigt, die verschiedenen annehmbaren Modelle in einer Schriftenreihe der DGfM mit den zugehörigen Nachweisverfahren vorzustellen. Vordringlich ist das beim Schubnachweis der Fall. Da die anzunehmenden Lasten auf der Einwirkungsseite deutlich angehoben sind, werden die bisherigen konstruktiven Regeln zu Ausfachungs- und Verblendmauerwerk in DIN 1053-12 intensiv diskutiert.

Die charakteristische Druckfestigkeit des Mauerwerks wird in DIN 1053-11 in Form tabellierter Werte in gewohnter Weise und in DIN 1053-13 über Potenzformeln beschrieben. Hierzu wurde das vorliegende Datenmaterial erneut zusammengestellt und ausgewertet. Es zeichnet sich ab, dass das insbesondere bei Mauerwerk aus Leichtbeton-Vollsteinen vorhandene hohe Sicherheitsniveau gegenüber dem kleinsten gemeinsamen Nenner aus allen Steinarten auf ein vernünftigeres und damit wirtschaftlicheres Maß abgesenkt werden kann. In eingeschränktem Umfang gilt dies auch für Mauerwerk aus Leichtbeton-Hohlblocksteinen, wobei die Auswirkungen günstiger und un-günstiger Loch- bzw. Steganordnungen noch nicht abschließend diskutiert sind.

Das Merkblatt „Vereinfachte Nachweise von erddruckbelasteten Kellerwänden“ der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerksbau, beschreibt hierzu die Rahmenbedingen sowie die Durchführung der Nachweise. Das 16-seitige Merkblatt kann unter www.dgfm.de kostenlos als .pdf heruntergeladen werden.